Arba Minch

Heute hatten wir beschlossen einen Ruhetag einzulegen. Von wegen lässig ausschlafen. Um 3 Uhr morgens fing ein berufener Muhezin aus den Bergen über Arba Minch an, die ganze Gegend mit spirituellem Singsang zu beschallen. Dass den noch keiner erschlagen hat?
Der Tag steht im Zeichen der defekten DR. Rolf organisierte mit Hilfe des Italieners Garry einen Truck der ihn heute Nacht mitsamt seinem Moped nach Addis bringen wird. Schon ein komisches Gefühl sich zu trennen.
Was übrigens auffällt ist, dass es nahezu keine privaten Autos gibt, abgesehen von vielen Toyota Geländewagen, von denen viele im Auftrag der UN unterwegs sind, die anderen Touristen durch die Gegend karren. Und noch eines, das gilt gleichermaßen für Kenia: Es gibt zwar unglaublich viel Müll, aber nahezu keine Kunststofftüten wie wir sie aus Nordafrika kennen.
Der Tag geht weiter. Nett hier herumgehangen, jedoch keinen LKW für Rolf gefunden. Angeblich gibt es einen für morgen Abend. Mal sehen…
Arba Minch: Hotel Roza:



Cafe in Arba Minch (Shecha):

Äthiopien. Hardcore.

Nachdem wir uns von Mal, John, Julian und Shannon verabschiedet hatten zogen wir los zur Grenze. Die letzten Kenia Shilling wurden nach einigem Gehandel in Äthiopische Birr getauscht. Die Grenze war ziemlich zügig überschritten. Ich hatte mit vielen Komplikationen gerechnet, es ging aber alles völlig unkompliziert.

Bereits nach dem Grenzübergang begann eine andere Welt. Waren wir schon in Kenia völlig beeindruckt, hier geht es in den Dörfern ganz anders ab. Hier sind unglaubliche Massen von Menschen auf der Straße. Ausserhalb der grösserer Orte, leben die Menschen in Siedlungen aus Rundhűtten, die gelegentlich umzäunt sind (Holz, Dornenhecken).



Die Menschen sind überwiegend neugierig, freundlich, die Jungs haben aber ein ziemliches Macho Gehabe. Zwei mal habe ich welche gejagt weil sie meinten sie müssten uns bewerfen oder mit dünnen Stöcken nach uns schlagen. Es scheint aber auch untereinander eine herzliche Brutalität zu gelten. Beim tanken wird auf die Gaffer mit einem Stock eingeschlagen (heftig!), Kindern wird schon mal mit einem Stock die Richtung gezeigt – wie den Rindern auf der Strasse. Apropos Strasse. In Mega beschlossen wir über Konso nach Arba Minch zu fahren.

Bislang waren wir auf gut geteerten Strassen unterwegs, das änderte sich nun rasch. Die kommenden 100 km waren gute Schotterpiste. Und damit das Ende von Rolfs hinterem Federbein. Mal sehen wie wir das gefixt bekommen. Durch den Defekt kamen wir nicht mehr rasch genug vorwärts und kamen in den Abend – und damit war erst recht kein vernünftiges vorwärts kommen mehr möglich. Unglaubliche Mengen von Menschen wanderten bepackt, mit Rinderherden, Ziegenherden auf der Strasse nach Hause. Die ganze Strasse ist gepflastert mit Kot.

Einmal ging es über einen Fluss. Das Treiben kann ich gar nicht in Worte fassen. Es ist zu viel um es auf einmal zu erfassen. Das Vieh wird getränkt und daneben baden die Menschen.

Als wir in Arba Minch ankamen hatten wir das Glück, es wurde bereits dunkel, einen Italiener zu treffen, der uns zu einem netten kleinen Hotel mit angeschlossenem Restaurant führte (Roza). Wir hatten einen sehr netten Abend, der darin endete, die lokale Gelegenheitsprostituierte abzuwimmeln.

Heisser Ritt

Um 5 Uhr morgens ging es mit unseren Südafrikanischen Motorradfahrern los. Weit kamen wir nicht, nach 40 km hatte ich einen Plattfuss. Heute vorne. Der Platten war schnell repariert und als wir los wollten – hatte Julian hinten platt. Irgendwann ging es weiter, aber die Piste war rau und wir zuckelten ziemlich rum.

Um 10 Uhr der nächste Platten bei Julian, Gott sei Dank, danach lief es. Langsam zwar, aber immerhin. Die Sűdafrikaner haben furchtbar überladen… Die ganze Tour übrigens bei mehr als 35 Grad Celsius.



Nach einer Erfrischung setzten wir uns in Turbi mit der Polizei in Verbindung. Einige Trucks stehen im Ort und wagen die Weiterfahrt nicht. Nach Rücksprache mit Polizei, Militär und dem Roten Kreuz war klar, heute können wir durch. Später erfuhren wir, dass in den vergangenen Tagen die wenigen Touristen in der Polizeistation nächtigen mussten. Vorgestern waren die Kämpfe so heftig, es wäre kein Durchkommen gewesen.


Wir kamen in einer netten, sauberen und einfachen Unterkunft unter (Ramadan Hotel). Die Dusche besteht aus dem Eimer Wasser den man sich über den Kopf giesst.
Und dann brauchte ich noch Benzin… nur Schwarzmarkt. Naja, wir bekamen es zum fast doppelten Preis, aber was soll’s.

Unsere Südafrikaner: www.4bikes4singapore.wordpress.com
* Malcolm Taylor (Papa)
* John Byett (Papas Freund)
* Julian Taylor (Der Sohn und Ideengeber)
* Shannon Taylor (Tochter und Allroundtalent)

Fahrt nach Marsabit

Heute morgen ging es nach einem kleinen Frühstück los nach Marsabit. Die ersten Kilometer sind frisch geteert, bald aber geht es los mit der Piste deren Zustand mal besser ist und zunehmend schlechter. Gegen Ende wird sie schon wirklich unglaublich schlecht…. Heiß war der Trip und wir hatten ziemliche Probleme mit der Technik. Rolfs Kiste warf die Schrauben vom Gepäckträger weg, meine verlor langsam Luft, so dass ich alle 10-15 Kilometer aufpumpen musste. Zum Glück habe ich den kleinen Kompressor dabei.

Die Reparatur des Reifens űberstieg meine schlimmsten Befürchtungen. Der Reifen ist einfach nicht ins Tiefbett zu bringen. Meine Versuche auf der Piste waren schon erfolglos, in der Werkstatt benötigte der Mechaniker glatte 2 Stunden. Ich hoffe das kommt nicht mehr vor.

Na, und dann waren hier die Menschen draussen im Busch. Alle in bunter Tracht, behängt mit Schmuck, die Männer oft mit Lanzen bewaffnet. Die meisten sprechen kein Englisch, und was man über die Sicherheitslage in Moyale hört, hat die Regierung das Gebiet auch nicht unter Kontrolle. Gestern haben sich zwei Stämme kurz vor und in Moyale Kämpfe geliefert. Das Militär ist heute mit 70 Mann ausgerűckt um die Strecke zu sichern.
Um abgesichert nach Norden zu kommen, schliessen wir uns morgen einer 4 Köpfigen Motorradfahrer Truppe aus Südafrika an.
Die Unterkunft ist wunderbar, wir sind bei Schwestern untergekommen. Das erste mal Ruhe…. Nur: wir laufen aus dem Geld… Mal sehen wie wir das managen.

Marsabit Pastoral Center Guest House

Nach Isiolo

Heute ging es erst einmal unglaublich bergauf. Wir erreichten mehrfach 2600hm. Wir überquerten erneut das Rift Valley und hatten bald Mount Kenia mit seinen Schneefeldern am Gipfel als Richtungsweiser vor uns. Nach dem Rift mit seinen saftigen grünen Hängen, seinen satten Feldern, begann bald eine offene Savanne. Mit ihr veränderten sich auch die Menschen. Die Häuser wichen Rundhűtten, die Bekleidung ging auf Rőcke für Männer und großem Ohrschmuck über. Die Frauen tragen wunderbar bunte Kleider, Kopftűcher und Scheiben mit Perlen am Hals.

Die Hotelsuche gestaltete sich schwierig. Ursprünglich wollten wir im Samburu Womens Camp nächtigen, die wollten aber 20 Euro für die Übernachtung mit Abendessen haben. Dafür, dass wir das eigene Zelt nutzen müssen, ist das völlig überzogen. So landeten wir jetzt in einer Absteige zu 8 Euro, die Motorräder stehen sicher.

Der Abend bescherte einen guten Pilau mit Soße und gekochtem Gemüse – danach noch ein Bier in der Abfüllstation – gut!

Nanyuki – Rumuruti Road:




Hotel in Isiolo:

Einige Eindrücke

Nach einer Woche unterwegs, hier einige Eindrücke im Schnelldurchgang.

Kaufkraft, was kostet was:
Ein typisches Essen, Fleisch, Pommes, Salat: 4$
Frühstück, Ei, Brot, Kaffee: 2$
Übernachtung, einfache, akzeptable Kategorie: Von 8-20$
Benzin: 1.10$
Eintritt Nationalpark: 80$

Landschaft:
Verschiedene Klimazonen. Manchmal war uns kalt beim fahren, manchmal richtig heiß.
Teilweise steile Berge, viel Hochland
Hügeliges, saftig grünes Ackerland

Menschen, Wohlstand
Sehr freundlich, aufgeschlossen und immer neugierig.
Wenig Bettler, überall wird gearbeitet. Hohe Lasten werden mit geschobenem Rad oder durch tragen unter Bewältigung grosser Höhen befördert.
Was auffällt ist die wachsende Mittelschicht. In den Städten wird der Traum vom Eigenheim beworben.
Unglaublich viele neue Autos, kaum Schrott wie wir ihn aus Nordafrika kennen.
Während in den Innenstädten die Menschen z.T. top gekleidet sind, sind die Vororte geprägt durch unglaublichen Schmutz und Armut – ein Leben in Knüppelholz und Wellblech ohne fließend Wasser und Abwasser.

Kriminalität: Alles ist heftigst vergittert, mit dicken Stahlstäben gesichert und durch Wachpersonal beschützt. Letzteres steht vor  jedem guten Geschäft, vor und in jeder Bank, jedem Hotel. Jedes stehlbare Autoteil hat zum Schutz die Zulassung eingraviert:
Z.B. jede Scheibe, Aussenspiegel usw.
Mehrfach wurden wir gewarnt nichts im Zimmer zu belassen, das Personal würde alles stehlen.
Das Motorrad steht immer speziell gesichert, ganz gerne im Innenhof des Hotels oder im Foyer.

Sprache: Toll: alles geht unkompliziert in Englisch.

Korruption: Vieles geht nur durch Schmiergeld, das begann schon am Zoll in Mombasa. Dennoch ist die Korruption fűr uns wenig sichtbar.

Zwei weisse Rhinos

Muessen Rhinos des morgens frueh raus? Nein. Wir aber haetten um 5:45 aufstehen sollen. Aufgewacht sind wir um 6:40, wir haben geschlafen wie zwei weisse Rhinos…

Wir raus aus den Federn, eine handvoll Wasser ins Gesicht und ab ging es. Zum Glueck hatten wir unsere private Tour, auf uns wurde gewartet!

Die Tour war super. Jede Menge Antilopen, Gazellen, Bueffel, Pelikane, Giraffen, Affen, Adler, Marabu und drei Rhinos. Nach einem halben Tag waren wir voellig platt und gesaettigt.

Morgen geht es Richtung Isiolo, wir werden mehrfach den Aequator queren. Uebernachtung ist geplant im Samburu Womens Camp.

Ab jetzt werden unsere Meldungen wahrscheinlich eher spaerlich. Die weitere Route stellen wir uns vor: Marsabit, Moyale, Arba Minch, Addis Abbaba. Erst dort denke ich, werden wir wieder Internet haben.

Ein paar der heutigen Eindruecke:






Ein kleiner Umweg

Für heute haben wir eine Abweichung zur ursprünglich geplanten Strecke eingelegt. Wir beschlossen statt des Aberdere NP den Nakuru NP zu besuchen, ein Umweg von kleinen 180 km.

Die Strecke war wirklich super. Wir fuhren von Nairobi an nur bergaufwärts bis wir fast 3000 Meter an Höhe hatten. Der Ausblick ins Tal, das Ostafrikanische Rift Valley, war unglaublich schön. Die Begegnungen mit den Menschen am Wegesrand waren durchweg freundlich.

In Nakuru bezogen wir unser Hotel, nun gut, so schnell ging das mit der Suche nicht wie es sich hier schreibt, verhandelten eine Safari für morgen früh im Paketpreis mit der Übernachtung. Wir sind gespannt. Man verspricht uns Affen, Wasservögel, weisses Nashorn, evtl. Giraffen, Löwen, Leopard. Die Flamingos sind vermutlich so gut wie alle weg…

Morgen machen wir die Querprüfung!

Rift Valley:

In der Nähe des Lake Naivasha:



Lake Elementaita:

Ein Tag in Nairobi

Über das Viertel in dem wir wohnen, muss ich nichts mehr erzählen. Wenn es auch unter Tags seinen Schrecken etwas verliert…
Den Tag brachten wir in Nairobi Downtown zu. Die Stadt ist von großem Business wie Banken dominiert. Wir wanderten einige Kilometer und genossen eine Ruhepause im Stadtpark. Ein netter Tag, eine nette Stadt, aber ein Tag, darin sind sich Rolf und ich einig, ist genug.





Zoll und Ritt nach Nairobi

Heute Morgen zum Frachtterminal gefahren. Dort die Motorräder in einer einstündigen Verhandlung mit dem Carrier und einer weiteren Stunde mit dem Zoll ausgelöst. Die Buben wollten 380$ pro Maschine haben. Das ging ja mal gar nicht. Am Ende war es die Hälfte…

Der Ritt nach Nairobi war hart, aber ok. Zum einen ist es mit über 30 Grad ziemlich heiß, zum anderen ist der Highway mächtig voll – und wir rangieren in der Rangordnung ziemlich unten. Ich kann gar nicht sagen wie oft wir wegen des Gegenverkehrs die Straße verlassen mussten.

Landschaftlich ist die Strecke sehr abwechslungsreich. Anfänglich rote Erde, Ranges und Ameisenhaufen wie in Australien. Später schwarze Felsen, danach riesige weite Ebenen. Nett war, als wir den Tsavo NP passierten, grasten Zebras an der Straße und einmal mussten wir aufpassen, dass wir das Junge einer Affenfamilie nicht überfuhren.

Mittagessen auf dem Weg nach Nairobi

Nairobi, bei Einbruch der Dunkelheit mit dem Motorrad? Show. Ein Erlebnis der besonderen Art. Das muss so schnell nicht wieder sein! Jetzt aber raus ins Getümmel. Schauen was es zu Essen gibt. Heute gab es ausser Bohnen und Brot nicht viel.

Nachtrag vom Abend: Hier fühlen wir uns so richtig unwohl. Jeder auch noch so kleine Laden, und es gibt Läden in der Grösse 1,5 x 2 Meter, verkauft nur durch Gitterstäbe. 5m hohe Mauern sind mit S-Draht gesichert. Eine sehr hohe Polizeipräsenz begleitet die Szenerie. Da sind wir doch froh, dass unsere Motorräder im Hotel drinnen stehen.
Mal sehen, wie lange wir bleiben….