Die Gesamtsituation

Rolf: „Was hast denn du in letzter Zeit?“
Hans : „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden!“
Rolf: „…warum?“
Hans : „Ist dir eigentlich klar, was wir den ganzen Tag machen? Grundloses Anschleichen, stundenlanges Spurenlesen und völlig sinnloses Nebeneinanderherreiten!“
Rolf: „Das nennst du reiten, was du da machst?“
Hans : „Hast was gegen meinen Reitstil?“
Rolf: „Des is ka Reitstil, des is Motorquälerei!“

Suez, Ras Sudr, Sharm el Sheik, Dahab

Die Ankündigung des morgendlichen TakTakTak der Kalaschnikows sich bekriegender Banden, die Symphonie aus Häuserschluchten, Lärm, Schmutz, brennenden Müllbergen, das waren Gründe warum wir Kairo so schnell wie möglich hinter uns lassen wollten.
In Suez gab es Frühstück, leider durften wir trotz Gebettel nicht über die Brücke über den Kanal sondern mussten den nördlich gelegenen Tunnel benutzen. Die ganze Gegend wimmelt nur so von Militär. Alles ist weitläufig gesichert. So sahen wir leider nichts vom Suezkanal.



Geschlafen wurde in einem Nobelhotel in Ras Sudr, einer Gegend wo sich Resort an Resort reiht. Tolle Unterkunft, mit Abstand das beste was wir bislang so bewohnten (den Preis haben wir natürlich astronomisch runtergehandelt – waren wir doch die einzigen Gäste)


Die Weiterfahrt hätte uns ans Katharinenkloster bringen sollen. Aber das Militär hatte die ganze Gegend abgesperrt. Die Straße war etwas weiter angeblich von Beduinen blockiert, und uns wurde sehr klar vermittelt, dass es im Sinne unserer Sicherheit und unseres Eigentums sei, dort nicht hinzufahren. Damit mussten wir nach Sharm el Sheik – was für ein Schock für uns. Uns blieb erst mal der Mund offen stehen, dann fingen wir an zu lachen. Was für ein Tourismus…..


Welch nettes Bild dagegen Dahab bietet. Hier fühlen wir uns wohl, hier bleiben wir jetzt mal ein paar Tage im Penguin Hotel.


Kairo

Nachdem wir den gestrigen Tag in der Oase verbrachten, fuhren wir heute die knapp 400 km nach Kairo. Sprit hatten wir gestern auf Hinweis des arg, arg netten Hotelbesitzers hin getankt, denn die erste Tankstelle war schon ausverkauft! Die Fahrt verlief gewohnt stürmisch, der Sandsturm selbst hielt sich in Grenzen.
Kairo entpuppte sich schon fast erwartungsgemäß als dreckiger Moloch. Kilometer um Kilometer zogen sich die riesigen Trabantenstädte hin. Wir waren dabei immer auf der Flucht vor einer Regenwand…
Die Unterkunft ist qualitativ etwas unterirdisch, aber was soll es?

Sofort zogen wir los zu den Pyramiden, der einzige Grund warum wir nach Kairo wollten. Rolf kannte Sie schon, aber ich wollte Sie unbedingt sehen. Und: Ich bin begeistert! Was für eine Dimension! Was für eine unglaubliche Meisterleistung handwerklicher Baukunst. Auch die Grabkammer beeindruckte mich außergewöhnlich. Etwas enttäuschend war für mich war die Sphinx. Ich hatte Sie mir VIEL größer vorgestellt. Dennoch, ich bin froh diese Bauwerke in meinem Leben gesehen zu haben.


Jetzt sind wir doch schon einiges gewohnt mit den Leuten. Aber die Penetranz der Kameltreiber, Droschkenvermieter und Souvenirverkäufer übertrifft alles was ich diesbezüglich je erlebte. Zwei mal wurde ich regelrecht wütend.

Der Abend barg noch nettes. Erst gab es für jeden von uns ein Pfund Shrimps zum Abendessen ( yummi, lecker) , dann verbrachten wir den Abend an der Theke bei Bier mit einem Heiler. Der hatte von Jesus den Auftrag die Energie der Pyramiden und Tempel am Nil wieder in Gang zu bringen. Das war schon eine interessante Unterhaltung (link zu Aketaton (ihm) auf Xing: http://www.xing.com/profile/Reinhold_Roenz ).

Spritmangel, Weisse Wüste, Schräglagenfahrt zur Oase Bawiti

Oh je. Was war das für ein Sturm heute. Doch etwas zurück. Der Tag begann damit, dass wir an die Tankstelle fuhren, und sie hatte über Nacht zugemacht. Kein Sprit mehr vorhanden. Und: es ist die einzige Tankstelle im Ort. Irgendwann hatten wir den Chef vor uns, und er liess uns die Tanks mit seiner eisernen Reserve füllen. Glück gehabt.

Raus ging es in die Weisse Wüste. Was für unglaublich schöne Bilder! Leider sehr getrübt vom Sturm der uns bereits umgab. Daher leider auch keine Fernsicht. Und so schade, hier eine Nacht im Zelt wäre wirklich toll gewesen. Schön im übrigen, wie gut unsere Motorräder im Schotter und Sand fahren!





Ab jetzt ging es los…. auf nach Norden. Nur 200 km, aber es fegte ein mächtiger Sandsturm über uns hinweg. Nachdem der Wind aus Westen kam, fuhren wir kontinuierlich in Schräglage links, regelmässig froh darum, die gesamte Strassenbreite nutzen zu können, so schüttelten uns die Böen. Die Sicht sank manchmal auf 50 m ab. Der Wind war eiskalt, wir froren dazu. Es war eine einzige Tortur.

In Bawiti fanden wir für akzeptables Geld eine tolle Unterkunft (Old Oasis Hotel), hier wollen wir 2 Tage bleiben, in der Hoffnung, dass sich der Sturm legt. Die Kälte setzt uns zu, wir müssen uns in Kairo anders einkleiden. Der Plan bei Kälte die Motorradkleidung zu tragen geht nicht auf. Jacke und Hose stehen zwischenzeitlich von alleine. 6500 km Afrika hinterlassen ihre Spuren.



Nachtrag: Der Dreck auf meiner Frontscheibe, ich wollte ihn abwaschen. Doch Dreck ist Auftrag, ich musste feststellen, dass hier Material abgetragen wurde. Die Scheibe, die Koffer, der Lack, alles auf der linken Seite ist sandgestrahlt. Toll, gell?

Old Oasis Hotel in Bawiti. Sauber, super geführt. Wir machten unglaublich nette Erfahrungen mit dem zuvorkommenden und hilfsbereiten Chef.

Oasen El Qasr und Farafra

Die Strecke heute war nichts mehr für alte Männer. Doch zuerst besuchten wir nach 40 km Fahrt die sehr schöne Altstadt von El Qasr. Die Altstadt wurde im Zuge der Erschließung des New Valley vor rund 30 Jahren aufgegeben. Es wird aber einiges erhalten. Ein Guide führte uns durch die Stadt und zeigte viele der Sehenswürdigkeiten. Das schöne ist, die Guides hier sind völlig unaufdringlich und man bezahlt was es einem Wert ist.





Dann aber die nächsten 300 km. Ein Sturm umgab uns. Einfach unglaublich. Manchmal versetzt es das Motorrad deutlich. Sand weht in den Helm und in die Augen. Dazu ist der Wind eiskalt. Wir frieren. Wir sind richtig glücklich in Farafra anzukommen. Leider gestaltete sich die Hotelsuche als Drama. Die Hotels haben etwas verzogene Preisvorstellungen. Am Ende landeten wir im Badawijya Hotel, einer wunderschönen Anlage mit Pool, super Zimmern, tollem Bad. Bei 18 Euro das Zimmer, jeden Euro wert.






Was wir leider wegen des Sturms, der seit gestern über uns hinweg fegt, aufgeben mussten, war der Plan in der Weissen Wüste zu zelten. Es ist einfach zu unfreundlich gerade. So wissen wir auch noch nicht, wie wir weiter fahren. Der Wind kommt überwiegend als Gegenwind und treibt den Spritverbrauch in Höhen, dass wir gegebenenfalls die letzte Etappe trotz Ersatzkanister nicht schaffen. Mal sehen wie es weitergeht.

Trüffelschwein

Am Abend, wir schlendern durch Mut, meinte Rolf plötzlich zu mir: „Trüffelschwein such“, wir brauchen ein Bier. 20 Minuten später, und glaubt mir, der Laden war versteckt und öffnete erst für uns:

Oasen Balat und Mut

220 Kilometer fahren sich rasch hier in der Wueste. Nahezu keine Orte, dafuer jede Menge NICHTS! Wir besuchten die alte Stadt von Balat (sehr sehenswert) und schlenderten durch Mut. Nebenbei gab es heute Waschtag. Auch mein Rucksack kam mal dran. Rolf wunderte sich ueber dessen neue Farbe!

Bilder von Balat:


Ein Wölkchen am Himmel

Heute sehen wir ein Woelkchen am Himmel. Nicht, dass es uns beeinträchtigen würde. Wir fragen uns nur: Wann haben wir die letzten Wolken gesehen. Wir erinnern uns beide nicht mehr!